Die Müngstener Brücke im 2. Weltkrieg

Fast hätte die Müngstener Brücke den Weltkrieg nicht überstanden. Zeitzeugen berichten von mutigen Männern, die die Zerstörung der Eisenbahnbrücke verhindert haben. Durch Verzögerungstaktiken heimatliebender Offiziere und das beherzte Zugreifen der Sprengsoldaten konnte Schlimmstes verhindert werden. "Die englichen Fliegerangriffe hatten der Brücke nur wenig geschadet, jetzt sollte sie dem Rückzug zum Opfer fallen", erinnert sich Willi God an die Stunden, in denen bereits erstes Geschützfeuer von der Remscheider Seite aus zu hören war.

Kräfte der 97. US-Infantriedivision stehen auf Reinshagener und Güldenwerther Seite, schauen mit den Feldstechern zu God und anderen Schabergern herüber: "Sie trauten sich nicht herüber, immerhin konnte die Brücke mit Dynamit vollgestopft sein", erinnert sich der damalige holländische Zwangsarbeiter.

Es gibt zudem weitere Berichte, z. b. die des Statthalters Werner Stolzmann. Der gebürtige Solinger erfährt früh von dem vernichtenden Befehl General Models. Stolzmann, der seiner Vaterstadt die Brücke erhalten will, macht sich die Schwerfälligkeit deutschen Obrigkeitsgehorsams vergangener Tage zunutze und gibt den Befehl "neu interpretiert" weiter. Eine Verzögerung, die entscheidend für das Weiterbestehen der Müngstener Brücke gewesen sein soll.

Bemühungen, das Jahrhundertbauwerk zu erhalten, gab es auch von anderer Seite. Werner Krause, der damalige Oberleutnant einer Eisenbahn-Pioniereinheit, mußte in Hückeswagen den Erhalt des Sprengbefehls quittieren. "Rücksicht durfte, laut Befehl, nicht einmal auf die Zivilbevölkerung genommen werden", schreibt der heute im Sauerland lebende Krause in seinen Erinnerungen. Der Kompaniechef bewunderte schon damals den Mut eines anderen Offiziers, der den Befehl zur Sprengung in Gegenwart von Soldaten als "unsinnig" bezeichnete. Bei diesem Offizier, der später die Sprengung verhindert haben soll, könnte es sich um Wilhelm Mecklenbrauck handeln. Für ähnliches Verhalten waren Vorgesetzte bei Remagen - dort war die Brücke nicht rechtzeitig gesprengt worden - noch an Ort und Stelle erschossen worden.