Den "Selbstmord" 30 Jahre überlebt

Es gibt Geschichten, die kennt jeder, aber keiner weiß, woher. Bestimmt kennen Sie auch diese: Der Baumeister der Müngstener Brücke hat sich von derselbigen in die Wupper gestürzt. Einen Tag vor der ersten Probefahrt packte ihn die nackte Angst, seine statischen Berechnungen könnten falsch gewesen sein, und unter der Last einer Dampflok würde sein Werk zusammenbrechen.


Zum Glück ist das eines der vielen Gerüchte, die sich um das Eisengerüst der Brücke ranken. Der Baumeister Anton von Rieppel (Bild oben) war bei der Probefahrt und auch noch fast weitere 30 Jahre putzmunter! Erst am 31. Januar 1926 starb er in Nürnberg, "eines natürlichen Todes", wie Adolf von Berg in seinem jüngst erschienen Buch "Die Thalbrücke zu Müngsten" ausdrücklich betont.

Ein ganzes Kapitel widmet von Berg dem berühmten Konstrukteur der Firma M.A.N. (Bild links die Brücke im "freien Vorbau"), die die Müngstener Brücke baute. Nicht nur, um das Gerücht endgültig zu widerlegen, sondern auch, um den ungemein fleißigen und tüchtigen Mann gebührend zu würdigen. Das wurde er schon zu Lebzeiten: Der 1852 in Hopfau (Oberpfalz) geborene Sohn eines Hammergut-Besitzers wurde mit Titeln und Orden überhäuft. Seine Arbeit als Konstrukteur bei M.A.N. und schließlich als Generaldirektor dieser Firma brachte ihm Ruhm im In- und Ausland.
Von wegen Selbstmord: Im Juli 1897 bekam er den preußischen Kronenorden dritter Klasse. Und nun dürfen Sie dreimal raten, wofür!