Kaiser erschien zwei Jahre später

Erst zwei Jahre später, im August 1899, hatte der Namensgeber der "Kaiser-Wilhelm-Brücke" das technische Wunderwerk im Blickfeld. Aber auch da gab es im Vorfeld ein tüchtiges Hin und Her und zunächst eine Absage, so daß der Remscheider General-Anzeiger auf vorausgegangene Anzeigen zum Kaiserbesuch schon einen Rabatt von 50 Prozent gewähren wollte. Dann die Nachricht: Der Kaiser kommt doch! Nun kannten die Vorbereitungen keine Grenzen mehr.

Schulen und Vereine, vom Veteranenverein bis zum Verein der Weichensteller, entwarfen einen genauen Plan zur Spalierbildung. Die Lokale auf dem Stadtkegel waren Treffpunkt zum Abmarsch nach Müngsten, dabei war "pünktliches Antreten notwendig. Orden und Ehrenzeichen sind in gehöriger Reihenfolge anzulegen". Dichter entwarfen große Sprüche, und Kapellen übten die zackigsten Märsche ein. Die Gesangvereine kramten in vaterländischen Noten, allen voran das "Bergische Heimatlied". Die Geschäfte hielten Fahnen, Wimpel und Feldstecher bereit. Auf Anordnung des Lenneper Landrats
Koenigs wurden die Straßen der Kaiserdurchfahrt für sämtliche Fuhrwerke gesperrt, denn es gab "Anlaß zu ungeheurem Jubel und äußersten Gefahren".

Tribünen wurden errichtet, und in bester Lage waren "einige Fenster in der 2. Etage mit guter Aussicht auf Se. Majestät" zu vermieten. Gegen 10 Uhr traf der Sonderzug mit dem Kaiser an der Brücke ein. Nach kurzer Besichtigung ging es weiter nach Küppelstein. Hier hatte Wilhelm II. aus der offenen Kutsche einen freien Blick auf das Bergische Land und die gewaltige Brücke. Bei seiner anschließenden Fahrt durch die Stadt entdeckte der Kaiser Remscheid als reichgeschmückte Blumenstadt. Allein der alte Markt machte den Eindruck eines Palmengartens, dekoriert mit einer Riesenbüste des hohen Gastes und reichem Fahnenschmuck vom Kirchturm. Der offizielle Empfang durch die Stadtvertreter fand an der Remscheider Talsperre statt. Hier erklärte der Erbauer Prof. Otto Intze dem Kaiser die Bedeutung der ersten deutschen Trinkwasser-Talsperre. Im Ausklang des Tages waren die Lokale auf Remscheids Höhen dichtbesetzt. Aus vielen Sälen klang Chorgesang und Blasmusik in die Nacht.